Frau mit Fitness-Tracker

Wie wirkungsvoll sind digitale Präventionsangebote?


Digitale Angebote zur Prävention und Gesundheitsförderung erleben weiterhin einen wahren Boom. Online-Kurse, Apps und Wearables (Fitness-Tracker) und auch die „Apps auf Rezept“, sogenannte DIGAs, halten Einzug in die Versorgung. Außerdem scheint es, als würden inzwischen alle Menschen hierzulande ein internetfähiges Gerät besitzen, das einen Zugang zu diesen Angeboten ermöglicht. Sind damit alle Voraussetzungen erfüllt, um Menschen aus allen Lebenswelten und Soziallagen zu erreichen? Und sind digitale Angebote praxistauglich und wirkungsvoll? Diese Fragen wurden beim digitalen Lunch-Symposium „Zukunft Prävention“ am 29. November 2023 mit über 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmern diskutiert.

Gesundheitliche Chancenungleichheit


Prof. Dr. phil. Nico Dragano vom » Institut für Medizinische Soziologie am Universitätsklinikum Düsseldorf war als Experte eingeladen und machte in seinem Fachimpuls zunächst auf die vorhandene grundsätzliche gesundheitliche Chancenungleichheit aufmerksam: Determinanten wie Bildung, Einkommen, Migration, Sprache, Geschlecht und Lebensraum bestimmten die individuellen Voraussetzungen eines jeden für ein gesundes Leben. Dem schließe sich der sogenannte „digital Divide“ an, denn nicht alle Menschen haben einen Zugang zum Internet oder können sich diesen leisten. Und nicht alle, die einen Zugang haben, verfügen über ausreichend Kenntnisse, um Angebote zu finden, zu verstehen, zu bewerten und anzuwenden, so die ernüchternde Einschätzung des Soziologen.

Stressreduktion ist möglich


Insgesamt würden vor allem Menschen mit einer höheren Bildung und einem höheren Einkommen von digitalen Angeboten zur Prävention und Gesundheitsförderung profitieren. Diese Gruppe sei gut zu erreichen und habe die Fähigkeiten und Voraussetzungen, Angebote für ihre Gesundheit zu finden, zu verstehen und richtig einzusetzen.
Eine Studie aus der Praxis konnte nachweisen, dass Stressreduktion am Arbeitsplatz mithilfe von Apps möglich ist. Dazu sendet ein Gerät (Wearable am Handgelenk) Daten wie den Puls an eine App, die dem Träger bei Anzeichen von Stress ein Signal schicke. Die Trägerinnen und Träger dieser Messuhren könnten dann vorab geübte Übungen zur Stressreduktion durchführen.

Erfolge nicht bei allen Menschen


Prof. Dragano verdeutlichte, dass digitale Präventionsangebote vor allem dann eine Wirksamkeit zeigten, wenn sie konkret auf eine bestimmte Zielgruppe zugeschnitten waren. Außerdem betonte er, dass digitale Gesundheitsangebote dann eine Chance für alle hätten, wenn die herrschende digitale Spaltung überwunden werden könne. Dazu brauche es unter anderem gleichberechtigte Chancen auf Bildung und eine bessere Internet-Infrastruktur in Deutschland. Insgesamt würden zu wenige Angebote in Studien auf ihre tatsächliche Wirksamkeit untersucht. Um gute Ergebnisse allen Menschen zugänglich zu machen, warb er für die Aufsetzung eines Portals, in dem best-practice Angebote gesammelt würden.

Es bleibt also einiges zu tun! Digitale Angebote haben zwar das Potential Menschen aus allen Lebenswelten und Soziallagen zu erreichen, aber es sind nicht alle Grundvoraussetzungen dafür erfüllt. Es ist und bleibt die Aufgabe von allen Akteuren die Ungleichheiten anzugehen, damit für alle die Chance auf ein gesundes Leben möglich ist.

Wenn Sie die Veranstaltung verpasst haben, dann können Sie die Aufzeichnung » auf dem YouTube-Kanal ansehen.
Die Präsentation von Prof. Dragano finden Sie auf www.zukunft-praevention.de.

Die Reihe "Zukunft Prävention" wird veranstaltet vom Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland, dem » Kneipp Bund und dem » Verein der Ersatzkassen (vdek).